Günter Lederer

Die Geschichte des Thüringer Verbandes der Berufsschulpädagogen e.V.

Teil I: 1990 - 1991

 

Vorbemerkung

Diese Verbandsgeschichte wurde 20 Jahre nach seiner Gründung geschrieben, und sie wird auch der Abschluss der Geschichte des TVB sein, weil die Verschmelzung mit dem VLW bevorsteht. Es ist keine Chronologie, obwohl die zeitliche Abfolge im Groben eingehalten wurde.
Einmal halte ich es für bedeutsam, dass möglichst wenig in Vergessenheit gerät wie der Ablauf der Verbandsgründung vonstatten ging, aus dem vor allem auch immer wieder gegenwärtige, manchmal kaum noch erklärbare Erscheinungen abgeleitet werden können.
Und es muss gesehen werden, dass viele Wurzeln bereits im letzten Jahr der DDR, vor allem unter der Modrow-Regierung und de Maiziere sich zu neuen Sprossen entwickelten, die dann aber auch häufig wieder abgeknickt wurden oder abgeknickt werden mussten, weil der schnelle Beitritt zu wenig Zeit für reiflichere Überlegungen bot und das Überstülpen westdeutscher Bedingungen zu Einengungen führen musste.
D
as Gerangel und Konkurrenzgebaren der verschiedensten Verbände und Gewerk-schaften auf ostdeutschem Territorium um die bedeutendsten Einflüsse und höchsten Mitgliederzahlen war für die Verbandslandschaft keinesfalls förderlich und entsprach nicht im Geringsten meinem Gusto. Mir ging es immer um die Sache und ihre optimale Lösung.
Für mich ist es heute noch unverständlich und auch unverzeihlich, dass beispielsweise der BLLV (Bayrischer Lehrerinnen und Lehrerverband) in Kenntnis der Verbandslandschaft der altbundesdeutschen (und daher auch bayrischen) Lehrerverbände in Thüringen sich rigoros darüber hinwegsetzte, und mit allen Tricks versuchte, neben der GEW einen Einheitsverband für alle Lehrer zu etablieren. An den Folgen leiden wir – wenn auch im geringeren Maße – heute noch.
Völlig undenkbar wäre es, wenn es keinen eigenständigen Landesverband der Berufsschulpädagogen innerhalb des BLBS gäbe, sondern nur ein unscheinbares Referat im TLV, dessen Belange und Interessen jeweils von einer anderen Mehrheit überstimmt würden.
Natürlich ist das mit der „bunten Blumenwiese“, wie ein Journalist zu Beginn die Vielfältigkeit der Verbandslandschaft einmal verglich, so einfach auch nicht. Nicht nur, dass es in der Natur der Sache so ist, dass die zarten Blumenpflänzchen auf der Wiese sehr schnell von dem wuchernden Unkraut erdrückt werden und nach wenigen Jahren nicht mehr viel bunt blüht, es werden auch dann konzertierte Aktionen, wenn sie nötig sind- durch Konkurrenzdenken verhindert. Beides muss möglich sein: Differenziert, wenn es die Sache nicht anders zulässt und gemeinsam, wenn es erforderlich ist und die Interessen aller betrifft.
Jüngstes Beispiel dazu, das mir sehr zu denken gab, war die Unterschriftenaktion der Sozialverbände und –gewerkschaften der Bundesrepublik (Ver.di, GvP, Transnet, GEW, BRH, Volkssolidarität, SoVD), die sich zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen haben, um die gerechte Rentenangleichung in den neuen Bundesländern durchzusetzen. Im Grunde wurde dieses Vorhaben zum Flop (ca. 60.000 Unterschriften bei mehreren Millionen Betroffenen innerhalb eines halben Jahres!), weil die Beteiligten sich nach wie vor nicht grün sind. Als ich in Bamberg zum 23.Dt.Berufsschultag den TLV-Vorsitzenden um die Unterschrift bat, entgegnete er mir: „Wir lassen uns doch nicht vereinnahmen.“ Obwohl ich ihn darauf hinwies, dass auch der BRH als dbb-Mitglied mit von der Partie sei. Der BRH-Landesverband Thüringen antwortete erst gar nicht auf meine Anfrage, was da im Zusammenhang mit der Unterschriftenaktion getan werde.
Das gefällt natürlich den Politikern, zum Glück steht dann Kleinkariertheit gegen Glencheck und Pepita.
Ich beschränke mich auf die ersten beiden Jahre nach der Verbandsgründung. Vielleicht findet sich noch jemand, der die folgenden wichtigen Ereignisse und Aktivitäten auflistet. Dazu fehlen mir die Daten.
Berufsschultage, Vertreterversamm-lungen, personelle Besetzung der Vorstände, Statutänderungen, Klausurtagungen …

Ich habe Wert gelegt auf viele Faksimiles als Beweisstücke für unseren Werdegang. Hier muss man auch zwischen den Zeilen lesen (können).
Schon allein das Outfit der Dokumente, die Perlschrift der mechanischen Schreibmaschine mit den Tippfehlern und Korrekturen, die Unübersichtlichkeit, die Papierfarbe usw. haben uns lange begleitet und sind aber auch ein Maßstab für unsere Entwicklung.

Günter Lederer
ehem. Landesvorsitzender

Im März 2010