Das nachfolgende Schreiben hat der BLV-Vorsitzende, Herr Thilo Helms, als Antwort auf die Positionen des Herrn Mania in der Thüringer Presse formuliert.

 

BLV • Linderbacher Weg 30 • 99099 Erfurt

Herrn Lutz Mania
Agentur für Arbeit
Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen
Frau-von-Selmnitz-Straße 6
06018 Halle

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Erfurt, 29. Aug. 2014

Sehr geehrter Herr Mania,

mit völligem Unverständnis haben die Lehrerinnen und Lehrer an den berufsbildenden Schulen in Thüringen Ihre Positionen zum Verzicht auf schulische Ausbildungsformen in den letzten Tagen der Presse entnommen. Es ist für uns als Berufsschullehrerverband ein bisher einmaliger Vorgang, dass ein leitender Vertreter einer staatlichen Organisation sich derart unsachlich in der Öffentlichkeit äußert.

Ihre in der Presse wiedergegebenen Äußerungen zeugen aus unserer Sicht von wenig Kenntnis der tatsächlich an den staatlichen berufsbildenden Schulen in Thüringen angebotenen Ausbildungsmöglichkeiten. Diese beschränken sich nicht nur auf die von Ihnen angegebenen Wirtschaftsassistenten, Haushaltshelfer oder Sozialassistenten, sondern sind in erster Linie Ausbildungsangebote, für die es im dualen System keine gleichwertigen Angebote gibt. Verwiesen sei dabei u. a. auf den gesamten Bereich Gesundheit und Soziales.

In den Jahren fehlender Ausbildungsplätze war Ihre Einrichtung besonders daran interessiert, Bewerber in schulische Vollzeitausbildung zu vermitteln. Wir Berufsschullehrer haben die Auswirkungen durch viele unmotivierte Schüler im Unterricht zu spüren bekommen. Jetzt, nach einer grundlegenden Veränderung der Situation, wird pauschal die Abschaffung aller Schulformen neben der Berufsschule gefordert. Dies muss vielen Berufsschullehrern wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen.

Die Aussage, „dass Absolventen schulischer Ausbildungsgänge oft erst noch durch die Arbeitsagenturen mit teuren Maßnahmen qualifiziert werden müssten“, widerspricht der Realität.

Welcher Chemisch-technische Assistent, Altenpfleger oder Technische Assistent für Informatik musste nach seiner Ausbildung an einer staatlichen berufsbildenden Schule von Ihrer Agentur „nachqualifiziert“ werden? Die Absolventen der Fachoberschulen, beruflichen Gymnasien und Fachschulen, die Sie in Ihrer Kritik ja nicht ausschließen, dürften mit den an unseren Schulen erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten ebenfalls ohne zusätzliche Hilfe der Agentur für Arbeit ausgekommen sein.

Wir erwarten von der Regionaldirektion eine Richtigstellung der in der Presse dargestellten Positionen.

Mit freundlichem Gruß

gez. Thilo Helms
Vorsitzender

Download als PDF-Datei