Wortbruch der SPD

In Vorbereitung der Landtagswahlen 2009 hatten wir die politischen Parteien in Thüringen angeschrieben und um Beantwortung einiger konkret auf die berufsbildenden Schulen bezogener Fragen gebeten. Vom Parteivorsitzenden der SPD, Christoph Matschie, wurde die Frage:

„Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, den Beruf „Lehrkraft an berufsbildenden Schulen“ für junge Menschen attraktiv zu gestalten?“

am 23. Juni 2009 wie folgt beantwortet:

„Als ersten Schritt werden wir sämtlichen Lehramtsanwärtern in Thüringen eine Anstellungsgarantie bei Bestehen der Zweiten Staatsprüfung gewähren. Um gegenüber den aggressiv Junglehrer abwerbenden westlichen Bundesländern mit einer solchen Offerte erfolgreich sein zu können, muss diese Anstellung unbefristet und in Vollzeit erfolgen.“

Diese Aussage war nicht das Papier wert auf dem sie stand, obwohl SPD-Vorsitzender Matschie seit 2009 als Bildungsminister alle Möglichkeiten der Umsetzung hatte. In den Jahren seit 2010 gab es vom TMBWK keinerlei Angebote an die Absolventen mit Lehramt an berufsbildenden Schulen in Thüringen. Am 15. Mai 2014 konnte sich Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht bei einer Veranstaltung in Arnstadt mit Lehramtsanwärtern davon überzeugen: Kein Angebot, kein Interesse an der Übernahme, die 20 Absolventen wandern in andere Bundesländer ab. Trotz ihrer Betroffenheit konnte sie daran natürlich nichts mehr ändern.

Für den BLV ist diese Verfahrensweise unverständlich und zeigt erneut, dass der Schwerpunkt der SPD-Bildungspolitik einseitig bei den allgemeinbildenden Schulen liegt. An einer Ausstattung der berufsbildenden Schulen mit gut qualifizierten Lehrkräften gibt es im Bildungsministerium kein Interesse. Im Gegenteil, die teuer ausgebildeten Absolventen lässt man in andere Bundesländer ziehen und stellt dafür Lehrkräfte mit geringerer Qualifikation ein. Dies mag aus Kostengründen günstiger sein, auf die Qualität beruflicher Ausbildung wird es sich negativ auswirken.

Wir haben Bildungsminister Matschie am 10. Juni 2014 angeschrieben und um eine Erklärung für seinen Wortbruch gebeten. Eine Antwort liegt uns bis heute nicht vor.

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