Schulnetz berufsbildende Schulen

Der Beginn des Schuljahres 2012/2013 ist an den berufsbildenden Schulen geprägt von den weiter zurückgehenden Schülerzahlen und dem Umgang mit unterfrequentierten Klassen. Nachdem es im letzten Schuljahr schon massive Eingriffe an unseren Schulen gegeben hat, soll im laufenden Schuljahr die Anzahl unterfrequentierter Klassen nochmals deutlich gesenkt werden. Dies bringt den größeren Teil der berufsbildenden Schulen in Thüringen in existentielle Schwierigkeiten. Besonders im Bereich der beruflichen Vollzeitschulen werden damit die Bemühungen der vergangenen Jahre, diese Bildungsgänge dauerhaft in der Region zu etablieren, zunichte gemacht. Damit sollen die berufsbildenden Schulen offensichtlich wieder auf die Schulform Berufsschule reduziert werden.

Es mag durchaus nachvollziehbar sein, dass die Bildung von Klassen an eine bestimmte Anzahl von Schüler gekoppelt wird. Ein wichtiger Faktor ist aber auch der Standort der berufsbildenden Schule. Hier muss es deutliche Unterschiede zwischen städtischen und Standorten auf dem „flachen“ Land geben. Die berufsbildende Schule als Kompetenzzentrum einer Region muss die Möglichkeit erhalten, Zeiten mit weniger Schülern zu überbrücken. Nur so können die sächlichen und personellen Gegebenheiten am Standort vorgehalten werden

Unklar ist, warum das TMBWK beim auftretenden Lehrerüberhang mit zweierlei Maß misst. In den letzten Jahren hat man im Bereich der allgemeinbildenden Schulen sehr großzügig über derartige Probleme hinweggesehen. Im Gegenteil, man hat das günstige Schüler-Lehrer-Verhältnis in den kleinen Klassen als Vorzug des Thüringer Bildungssystems herausgestellt. Wir fordern, den berufsbildenden Schulen jetzt die gleichen Freiräume einzuräumen.

Als einen ersten Schritt in diese Richtung werten wir die am 30. Juli 2012 erlassene „Richtlinie des TMBWK zur Schulnetzplanung der staatlichen berufsbildenden Schulen“, die seit diesem Schuljahr gilt. Hiermit gibt es die seit langem von uns geforderte Festlegung zu Schulgröße, Schülerzahl und Verfahren. So kann z. B. über die Aufhebung eines Bildungsganges erst entschieden werden, wenn er über einen Zeitraum von drei Jahren nicht angeboten werden konnte.

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